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Hochsensibilität (HSP) und Reizüberflutung – Außergewöhnliche Menschen unter kontinuierlicher Belastung

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Inhaltsverzeichnis

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Einleitung
Hochsensibilität (HSP), auch bekannt als Reizüberflutung, Hypersensitivität oder Hypersensibilität, ist ein Phänomen, das sich durch eine intensivere Wahrnehmung von Reizen kennzeichnet. Hochsensible Personen nehmen ihre Umwelt auf allen Ebenen und mit allen Sinnen verstärkt wahr, was zu höchst intensiven Erfahrungen führt. Dies ermöglicht ihnen, Details und Nuancen wahrzunehmen, die anderen Menschen oft entgehen.
Publikation

Was ist Hochsensibilität (HSP) oder eine Reizüberflutung

Hochsensible Menschen zeichnen sich durch eine Reihe von Eigenschaften aus, darunter eine vielschichtige Fantasie oder Kreativität, Perfektionismus, Harmoniebedürfnis und ein gutes Einfühlungsvermögen. Aber auch starke Reaktionen auf Medikamente, Alkohol und Koffein sowie eine erhöhte Anfälligkeit für Stress, Leistungsdruck und Zeitknappheit sind Anzeichen für Hochsensibilität. Sie benötigen jedoch auch regelmäßige Ruhephasen und ein bewusstes Annehmen ihrer Veranlagung, um im Alltag gut zurechtzukommen und zurückzufinden.

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Ist Hochsensibilität oder Reizüberflutung eine Krankheit?

Hochsensibilität (HSP) ist keine Krankheit nach aktuellem Stand der wissenschaftlichen Forschung, sondern ein Persönlichkeitsmerkmal, das etwa 15–20 % der Bevölkerung betrifft. Es handelt sich dabei um ein spezifisches Sammelsurium an Charaktereigenschaften, die sich aus einer gesteigerten Reizverarbeitung ergeben. Das vegetative Nervensystem hochsensibler Menschen filtert weniger als bei durchschnittlich Sensiblen, was dazu führt, dass sie mehr Reize als »wichtig« einstufen und diese im Anschluss das Bewusstsein erreichen.

Aus der bisherigen Forschung geht jedoch hervor, dass eine Reizüberflutung zu psychischen Belastungen bis hin zu psychischen Störungen führen kann. Durch die Reizüberflutung können z. B. Panikattacken oder Angststörungen entstehen, die sich, wenn sie unbehandelt bleiben, manifestieren können. Auch Konzentrationsschwierigkeiten können sich durch eine Reizüberflutung ggf. zu Lernschwächen im Kindesalter ausweiten.

Des Weiteren können Situationen entstehen, wodurch sich Betroffene unter Umständen zurückziehen und sich isolieren, gerade wenn Panikattacken oder Angstzustände zugrunde liegen. Dieser Rückzug führt oftmals zu einem Gefühl der Einsamkeit, obwohl Betroffene enge Freunde und die Familie um sich haben. Da Betroffene diesen Reiz der Einsamkeit jedoch um das Vielfache verstärkt empfinden, entsteht daraus eine irrationale Angst, die sich wiederum anderweitig personalisieren kann.

Im Autismus-Spektrum kann eine Reizüberflutung zu einem sogenannten »Overlaod« führen kann und dieser wiederum in einem »Meltdown« resultiert – einer starken emotionalen Reaktion, die sich oft als Wutausbruch äußert und für Außenstehende irrational erscheinen kann. Dies kann bis hin zu lauten Schreien und körperlicher Gewalt reichen. Als direkte Folge eines »Overloads« oder eines »Meltdowns« kann ein »Shutdown« auftreten, bei dem der Körper des Betroffenen versucht, die Reize auszugleichen, was zu einer vorübergehenden Minderung oder sogar einem völligen Verlust bestimmter Sinneswahrnehmungen führen kann.

HSP darf weder bagatellisiert noch generalisiert werden, sondern muss weiter in den Fokus rücken, um Betroffenen mehr Verständnis, Hilfe und Empathie entgegenzubringen. Gerade, in der heutigen sich schnell wandeln Gesellschaft, ist es umso wichtiger für Betroffene Akzeptanz zu erfahren und die Bestätigung, dass es völlig in Ordnung ist, hochsensibel zu sein und diese Eigenschaften als Stärke zu sehen und soziogesellschaftlich zu fördern.

 

Notwendige Sensibilisierung und Aufklärung in der Gesellschaft

Die Forschung zur gesamten Thematik steht noch am Anfang, aber es gibt bereits viele Erkenntnisse, die Betroffenen helfen, sich in ihrer Umwelt besser zurechtzufinden. Es wird angenommen, dass hochsensible Personen eine erbliche Veranlagung zugrunde liegen kann, und die Vorstellung, dass es sich um eine »psychische Störung« oder »Krankheit« handelt, wird zum jetzigen Zeitpunkt von der Mehrheit in der Wissenschaft zurückgewiesen.

Die Gesellschaft muss sich der Existenz und der Besonderheiten hochsensibler Menschen bewusst sein. Es ist wichtig, dass wir die Fähigkeiten und Herausforderungen, die mit einer Reizüberflutung einhergehen, anerkennen und respektieren. Die Sensibilisierung zur ganzen Thematik beginnt mit Bildung und Aufklärung. Es ist wichtig, dass wir Informationen über Hochsensibilität (HSP) zugänglich machen und Missverständnisse und Vorurteile abbauen. Das Thema zur HSP oder Reizüberflutung sollte in Schulen, am Arbeitsplatz und in anderen sozialen Umgebungen thematisiert werden, um ein Umfeld zu schaffen, das die Bedürfnisse hochsensibler Menschen respektiert und unterstützt.

 

Therapeutische Ansätze und Möglichkeiten für Betroffene

Hochsensibilität (HSP) oder Reizüberflutung darf nicht als Schwäche, sondern als Stärke gesehen werden. Hochsensible Menschen haben oft ein tiefes Verständnis für Kunst und Musik, eine ausgeprägte Empathie und ein starkes Bedürfnis nach Harmonie. Sie sind oft sehr kreativ und haben ein ausgeprägtes Gespür für Details, was in vielen Berufen, insbesondere in kreativen Branchen, sehr geschätzt wird. Auch wenn die Reizüberflutung belastende Aspekte aufweist wie z. B. eine erhöhte Tendenz zu einer Impulskontrollschwäche, bedeutet das nicht, dass Betroffene die negativen Belastungen nicht aushebeln oder kontrollieren können.

Unter anderem kann das S.O.R.K.C-Modell adaptiv angewendet werden. Das S.O.R.K.C-Modell nach Burrhus Frederic Skinner und erweitert von Lindsley im Jahr 1964 um die Variable K (Kontingenz) und im Zuge der kognitiven Verhaltenstherapie von F. Kanfer und G. Saslow um das Element O (Organismus) wurde. Es ist ein Standard in der Verhaltenstherapie zur Erklärung des Zustandekommens von psychopathologischen Verhaltens.

 

Die Bestandteile des S.O.R.K.C-Modells sind:

  1. S (Stimulus):
    Dies bezeichnet eine äußere oder innere Reizsituation, die das Verhalten auslöst. Es beschreibt die Bedingungen, unter denen das Verhalten auftritt.
  2. O (Organismus):
    Eine Bezeichnung für die individuellen biologischen und lern geschichtlichen Ausgangsbedingungen bzw. Charakteristika der Person auf den Stimulus.
  3. R (Reaktion oder Verhalten):
    Es erläutert die Reaktion auf den Stimulus nach der Verarbeitung durch den Organismus auf kognitiver, motorischer, vegetativer und affektiver Ebene.
  4. K (Kontingenz):
    Eine Definition für die Regelmäßigkeit des Auftretens der Konsequenz nach der Reaktion.
  5. C (Konsequenz):
    Dies bezieht sich auf das Einsetzen einer Verstärkung oder Bestrafung als Folge eines Verhaltens.

 

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Durch eine adaptive Anwendung des S.O.R.K.C-Modells, können sogenannte Skills entwickelt werden, um der Reizüberflutung entgegenzuwirken und diese auszuhebeln. Wie in allen Bereichen der Therapiebehandlung setzt dies ein kontinuierliches Training voraus, um nachhaltige Ergebnisse zu erzielen, ganz nach dem Motto…

»Nur durch Scheitern lernen wir – nur durch Lernen entwickeln wir uns – nur durch Entwicklung verändern wir uns.«

 

Wie wichtig ist Selbsthilfe bei Reizüberflutung und HSP

Ein bewusster Umgang mit der eigenen HSP ist entscheidend für das Wohlbefinden hochsensibler Menschen. Dazu gehört das Einhalten regelmäßiger Pausen, das bewusste Annehmen der eigenen Veranlagung und das Schaffen einer reizarmen Umgebung. Es ist auch wichtig, dass hochsensible Menschen lernen, ihre Veranlagung zu schätzen und ihren Wert zu erkennen.

Selbsthilfe und Selbstmanagement spielen eine entscheidende Rolle bei der Bewältigung von Reizüberflutung, insbesondere für hochsensible Personen. Eine der wichtigsten Strategien zur Selbsthilfe besteht darin, die spezifischen Auslöser für eine Reizüberflutung zu identifizieren. Jeder Mensch hat einzigartige Auslöser, die eine Überstimulation hervorrufen können. Diese können laute Geräusche, grelle Lichter oder starke Gerüche sein. Durch das Identifizieren dieser Auslöser können Betroffene besser verstehen, welche Situationen oder Umgebungen sie möglicherweise vermeiden oder anpassen müssen, um eine Reizüberflutung zu vermeiden.

Es ist oft schwierig, eine Reizüberflutung zu stoppen, sobald sie eingetreten ist, wodurch präventive Maßnahmen wichtig sind. Dies könnte beispielsweise bedeuten, dass eine hochsensible Person eine ruhige Umgebung für die Arbeit wählt oder den Einsatz von Geräuschunterdrückungstechnologien in lauten Umgebungen in Betracht zieht.

Für die Zeiten, in denen eine Reizüberflutung auftritt, gibt es spezielle Befestigungswerkzeuge und -techniken. Dazu gehören Achtsamkeits- und Meditationsübungen, körperliche Aktivität, Zeit in der Natur oder in ruhigen Umgebungen, die Verwendung von Geräuschunterdrückungskopfhörern oder Ohrstöpseln in lauten Umgebungen und die Verwendung von sensorischen Spielzeugen zur Linderung von Angst und zur Verbesserung der Konzentration.

Ebenso wichtig ist es für Betroffene zu verstehen, dass es in Ordnung ist, Grenzen zu setzen und nein zu sagen, wenn eine Situation oder Umgebung überwältigend erscheint. Jeder hat das Recht auf angemessene Anpassungen in Schule und Arbeit, um eine Reizüberflutung zu vermeiden und zu bewältigen. Schließlich kann professionelle Unterstützung, wie zum Beispiel eine sensorische Integrations- oder kognitive Verhaltenstherapie, für viele HSP-Betrofffene hilfreich sein.

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Schlüsselnummern durchsuchen
Sie können direkt nach der Schlüsselnummer filtern
U04.-

Schweres akutes respiratorisches Syndrom (SARS)

Die ICD-10 hat keine nähere Beschreibung zu der Schlüsselnummer.
U04.9

Schweres akutes respiratorisches Syndrom (SARS), nicht näher bezeichnet

Die ICD-10 hat keine nähere Beschreibung zu der Schlüsselnummer.
U07.-

Krankheiten mit unklarer Ätiologie, belegte und nicht belegte Schlüsselnummern U07.-

Hinweis:
Die Verwendung der Schlüsselnummern U00-U49 ist der WHO vorbehalten, um eine provisorische Zuordnung von Krankheiten unklarer Genese zu ermöglichen. Im Bedarfsfall können notwendige Schlüsselnummern in EDV-Systemen nicht immer ad hoc bereitgestellt werden. Die vorliegende Spezifikation der Kategorie U07.- stellt sicher, dass diese Kategorie und die Subkategorien in EDV-Systemen jederzeit verfügbar sind und ihre Nutzung, nach Vorgabe durch die WHO, umgehend erfolgen kann.
U07.0!

Gesundheitsstörung im Zusammenhang mit dem Gebrauch von E-Zigaretten (Vaporizer)

Die ICD-10 hat keine nähere Beschreibung zu der Schlüsselnummer.
U07.1!

COVID-19, Virus nachgewiesen

Coronavirus-Krankheit-2019, Virus nachgewiesen

Kodierhinweis:
Benutze diese Schlüsselnummer, wenn COVID-19 durch einen Labortest nachgewiesen ist, ungeachtet des Schweregrades des klinischen Befundes oder der Symptome.Benutze zunächst Schlüsselnummern, um das Vorliegen einer Pneumonie oder anderer Manifestationen oder von Kontaktanlässen anzugeben.
U07.2!

COVID-19, Virus nicht nachgewiesen

COVID-19 o.n.A.

Kodierhinweis:
Benutze diese Schlüsselnummer, wenn COVID-19 klinisch-epidemiologisch bestätigt ist und das Virus nicht durch Labortest nachgewiesen wurde oder kein Labortest zur Verfügung steht.Benutze zunächst Schlüsselnummern, um das Vorliegen einer Pneumonie oder anderer Manifestationen oder von Kontaktanlässen anzugeben.
U08.-

COVID-19 in der Eigenanamnese

Die ICD-10 hat keine nähere Beschreibung zu der Schlüsselnummer.
U08.9

COVID-19 in der Eigenanamnese, nicht näher bezeichnet

Kodierhinweis:
Benutze diese Schlüsselnummer, um eine frühere, bestätigte Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19) zu kodieren, die den Gesundheitszustand einer Person beeinflusst oder zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führt, die Person aber nicht mehr an COVID-19 leidet.
U09.-!

Post-COVID-19-Zustand

Die ICD-10 hat keine nähere Beschreibung zu der Schlüsselnummer.
U09.9!

Post-COVID-19-Zustand, nicht näher bezeichnet

Kodierhinweis:
Diese Schlüsselnummer ist zu verwenden, wenn bei einer anderenorts klassifizierten Störung angegeben werden soll, dass sie in Zusammenhang mit einer vorausgegangenen Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19) steht. Diese Schlüsselnummer ist nicht anzuwenden, wenn COVID-19 noch vorliegt.
U10.-

Multisystemisches Entzündungssyndrom in Verbindung mit COVID-19

Die ICD-10 hat keine nähere Beschreibung zu der Schlüsselnummer.
U10.9

Multisystemisches Entzündungssyndrom in Verbindung mit COVID-19, nicht näher bezeichnet

zeitlich assoziiert mit COVID-19

  • „Kawasaki-like“-Syndrom
  • Multisystem inflammatory syndrome in children (MIS-C)
  • Paediatric inflammatory multisystem syndrome (PIMS)
  • Zytokinsturm

 

Exkl.:

  • Mukokutanes Lymphknotensyndrom (Kawasaki-Krankheit) (M30.3)
  • Zytokinfreisetzungs-Syndrom (Cytokine release syndrome) (D76.4)
U11.-

Notwendigkeit der Impfung gegen COVID-19

Die ICD-10 hat keine nähere Beschreibung zu der Schlüsselnummer.
U11.9

Notwendigkeit der Impfung gegen COVID-19, nicht näher bezeichnet

COVID-19-Impfung (prophylaktisch)

Kodierhinweis:
Benutze diese Schlüsselnummer, um bei einer Person anzugeben, dass sie das Gesundheitswesen zum Zweck der COVID-19-Impfung in Anspruch nimmt.Benutze diese Schlüsselnummer im Geltungsbereich der §§ 17b KHG und 17d KHG bei einer Person zusätzlich zu anderen Schlüsselnummern. Für den Fall, dass im vorgenannten Geltungsbereich die COVID-19-Impfung selbst Anlass der Inanspruchnahme ist, benutze primär die Schlüsselnummer Z25.8 und zusätzlich die Schlüsselnummer U11.9.

U12.-!

Unerwünschte Nebenwirkungen bei der Anwendung von COVID-19-Impfstoffen

Die ICD-10 hat keine nähere Beschreibung zu der Schlüsselnummer.
U12.9!

Unerwünschte Nebenwirkungen bei der Anwendung von COVID-19-Impfstoffen, nicht näher bezeichnet

Unerwünschte Nebenwirkungen von COVID-19-Impfstoffen bei indikationsgerechter Anwendung und in korrekter (prophylaktischer) Dosierung

Kodierhinweis:
Diese sekundäre Schlüsselnummer ist wie eine Schlüsselnummer des Kapitels XX Äußere Ursachen von Morbidität und Mortalität zu benutzen. Benutze zusätzlich eine primäre Schlüsselnummer eines anderen Kapitels der Klassifikation, um die Art der unerwünschten Nebenwirkung anzugeben.

U50.-

Motorische Funktionseinschränkung

Hinweis:
Einmalige Kodierung der motorischen Funktionseinschränkung innerhalb der ersten fünf stationären Behandlungstage; bei veränderten Werten innerhalb dieser Zeit ist der höchste Punktwert zu verschlüsseln. Bei geriatrischer oder frührehabilitativer Behandlung erfolgt die Kodierung analog zu Beginn dieser Behandlung. Die Kodierung erfordert den Einsatz eines der aufgeführten standardisierten Testverfahren (FIM: Functional Independence Measure™).
U50.0-

Keine oder geringe motorische Funktionseinschränkung

Die ICD-10 hat keine nähere Beschreibung zu der Schlüsselnummer.
U50.00

Barthel-Index: 100 Punkte

Die ICD-10 hat keine nähere Beschreibung zu der Schlüsselnummer.
U50.01

Motorischer FIM: 85-91 Punkte

Die ICD-10 hat keine nähere Beschreibung zu der Schlüsselnummer.
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Support Anfrage

Die folgenden vierten Stellen sind bei den Kategorien F10-F19 zu benutzen, wenn das Ausmaß der Verhaltensstörung angegeben werden soll:

.0 / Akute Intoxikation (akuter Rausch)

Ein Zustandsbild nach Aufnahme einer psychotropen Substanz mit Störungen von Bewusstseinslage, kognitiven Fähigkeiten, Wahrnehmung, Affekt und Verhalten oder anderer psychophysiologischer Funktionen und Reaktionen. Die Störungen stehen in einem direkten Zusammenhang mit den akuten pharmakologischen Wirkungen der Substanz und nehmen bis zur vollständigen Wiederherstellung mit der Zeit ab, ausgenommen in den Fällen, bei denen Gewebeschäden oder andere Komplikationen aufgetreten sind. Komplikationen können ein Trauma, Aspiration von Erbrochenem, Delir, Koma, Krampfanfälle und andere medizinische Folgen sein. Die Art dieser Komplikationen hängt von den pharmakologischen Eigenschaften der Substanz und der Aufnahmeart ab.

  • Akuter Rausch bei Alkoholabhängigkeit
  • Pathologischer Rausch
  • Rausch o.n.A.
  • Trance und Besessenheitszustände bei Intoxikation mit psychotropen Substanzen
  • "Horrortrip" (Angstreise) bei halluzinogenen Substanzen

 

Exkl.:
Intoxikation im Sinne einer Vergiftung (T36-T50)

.1 / Schädlicher Gebrauch

Konsum psychotroper Substanzen, der zu Gesundheitsschädigung führt. Diese kann als körperliche Störung auftreten, etwa in Form einer Hepatitis nach Selbstinjektion der Substanz oder als psychische Störung, z. B. als depressive Episode durch massiven Alkoholkonsum.

  • Missbrauch psychotroper Substanzen
.2 / Abhängigkeitssyndrom

Eine Gruppe von Verhaltens-, kognitiven und körperlichen Phänomenen, die sich nach wiederholtem Substanzgebrauch entwickeln. Typischerweise besteht ein starker Wunsch, die Substanz einzunehmen, Schwierigkeiten, den Konsum zu kontrollieren, und anhaltender Substanzgebrauch trotz schädlicher Folgen. Dem Substanzgebrauch wird Vorrang vor anderen Aktivitäten und Verpflichtungen gegeben. Es entwickelt sich eine Toleranzerhöhung und manchmal ein körperliches Entzugssyndrom.

Das Abhängigkeitssyndrom kann sich auf einen einzelnen Stoff beziehen (z. B. Tabak, Alkohol oder Diazepam), auf eine Substanzgruppe (z. B. opiatähnliche Substanzen), oder auch auf ein weites Spektrum pharmakologisch unterschiedlicher Substanzen.

  • Chronischer Alkoholismus
  • Dipsomanie
  • Nicht näher bezeichnete Drogensucht
.3 / Entzugssyndrom

Es handelt sich um eine Gruppe von Symptomen unterschiedlicher Zusammensetzung und Schwere nach absolutem oder relativem Entzug einer psychotropen Substanz, die anhaltend konsumiert worden ist. Beginn und Verlauf des Entzugssyndroms sind zeitlich begrenzt und abhängig von der Substanzart und der Dosis, die unmittelbar vor der Beendigung oder Reduktion des Konsums verwendet worden ist. Das Entzugssyndrom kann durch symptomatische Krampfanfälle kompliziert werden.

.4 / Entzugssyndrom mit Delir

Ein Zustandsbild, bei dem das Entzugssyndrom (siehe vierte Stelle .3) durch ein Delir, (siehe Kriterien für F05.-) kompliziert wird. Symptomatische Krampfanfälle können ebenfalls auftreten. Wenn organische Faktoren eine beträchtliche Rolle in der Ätiologie spielen, sollte das Zustandsbild unter F05.8 klassifiziert werden.

  • Delirium tremens (alkoholbedingt)
.5 / Psychotische Störung

Eine Gruppe psychotischer Phänomene, die während oder nach dem Substanzgebrauch auftreten, aber nicht durch eine akute Intoxikation erklärt werden können und auch nicht Teil eines Entzugssyndroms sind. Die Störung ist durch Halluzinationen (typischerweise akustische, oft aber auf mehr als einem Sinnesgebiet), Wahrnehmungsstörungen, Wahnideen (häufig paranoide Gedanken oder Verfolgungsideen), psychomotorische Störungen (Erregung oder Stupor) sowie abnorme Affekte gekennzeichnet, die von intensiver Angst bis zur Ekstase reichen können. Das Sensorium ist üblicherweise klar, jedoch kann das Bewusstsein bis zu einem gewissen Grad eingeschränkt sein, wobei jedoch keine ausgeprägte Verwirrtheit auftritt.

  • Alkoholhalluzinose
  • Alkoholische Paranoia
  • Alkoholischer Eifersuchtswahn
  • Alkoholpsychose o.n.A.

 

Exkl.:
Durch Alkohol oder psychoaktive Substanzen bedingter Restzustand und verzögert auftretende psychotische Störung (F10-F19, vierte Stelle .7)

.6 / Amnestisches Syndrom

Ein Syndrom, das mit einer ausgeprägten andauernden Beeinträchtigung des Kurz- und Langzeitgedächtnisses einhergeht. Das Immediatgedächtnis ist gewöhnlich erhalten, und das Kurzzeitgedächtnis ist mehr gestört als das Langzeitgedächtnis. Die Störungen des Zeitgefühls und des Zeitgitters sind meist deutlich, ebenso wie die Lernschwierigkeiten. Konfabulationen können ausgeprägt sein, sind jedoch nicht in jedem Fall vorhanden. Andere kognitive Funktionen sind meist relativ gut erhalten, die amnestischen Störungen sind im Verhältnis zu anderen Beeinträchtigungen besonders ausgeprägt.

  • Alkohol- oder substanzbedingte amnestische Störung
  • Durch Alkohol oder andere psychotrope Substanzen bedingte Korsakowpsychose
  • Nicht näher bezeichnetes Korsakow-Syndrom
  • Soll ein assoziiertes Wernicke-Syndrom angegeben werden, sind zusätzliche Schlüsselnummern (E51.2† G32.8*) zu benutzen.

 

Exkl.:
Nicht alkoholbedingte(s) Korsakow-Psychose oder -Syndrom (F04)

.7 / Restzustand und verzögert auftretende psychotische Störung

Eine Störung, bei der alkohol- oder substanzbedingte Veränderungen der kognitiven Fähigkeiten, des Affektes, der Persönlichkeit oder des Verhaltens über einen Zeitraum hinaus bestehen, in dem noch eine direkte Substanzwirkung angenommen werden kann.

Der Beginn dieser Störung sollte in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Gebrauch der psychotropen Substanz stehen. Beginnt das Zustandsbild nach dem Substanzgebrauch, ist ein sicherer und genauer Nachweis notwendig, dass der Zustand auf Effekte der psychotropen Substanz zurückzuführen ist. Nachhallphänomene (Flashbacks) unterscheiden sich von einem psychotischen Zustandsbild durch ihr episodisches Auftreten, durch ihre meist kurze Dauer und das Wiederholen kürzlich erlebter alkohol- oder substanzbedingter Erlebnisse.

  • Alkoholdemenz o.n.A.
  • Chronisches hirnorganisches Syndrom bei Alkoholismus
  • Demenz und andere leichtere Formen anhaltender Beeinträchtigung der kognitiven Fähigkeiten
  • Nachhallzustände (Flashbacks)
    Posthalluzinogene
  • Wahrnehmungsstörung
  • Residuale affektive Störung
  • Residuale Störung der Persönlichkeit und des Verhaltens
  • Verzögert auftretende psychotische Störung durch psychotrope Substanzen bedingt

 

Exkl.:

  • Alkohol- oder substanzbedingt:
    Korsakow-Syndrom (F10-F19, vierte Stelle .6)
  • psychotischer Zustand (F10-F19, vierte Stelle .5)
.8 / Sonstige psychische und Verhaltensstörungen

Das ICD-10 hat keine nähere Beschreibung zu dieser Zusatzcodierung

.9 / Nicht näher bezeichnete psychische und Verhaltensstörung

Das ICD-10 hat keine nähere Beschreibung zu dieser Zusatzcodierung

Quellenangaben

Wir beziehen alle Angaben zu den Diagnosebilder / Störungsbilder aus dem BfArM, der WHO & der American Psychological Association (APA).

Sicherheitsangaben

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Wir verwenden ein SSL-Zertifikat von unserem Provider, sowie mehrere Softwares auf der Webseite selbst, die vor Spam-Attacken, Brute-Force-Attacken & Malware schützen.

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Psychologie

Schweregrad-Kriterien für Autismus-Spektrum-Störung nach DSM-5

Schweregrad 1
(Unterstützung Erforderlich)

Soziale Kommunikation:

Die Einschränkungen in der sozialen Kommunikation verursachen ohne Unterstützung bemerkbare Beeinträchtigungen. Schwierigkeiten bei der Initiierung sozialer Interaktionen sowie einzelne deutliche Beispiele von unüblichen oder erfolglosen Reaktionen auf soziale Kontaktangebote anderer. Scheinbar vermindertes Interesse an sozialen Interaktionen. Die Person ist z.B. in der Lage, in ganzen Sätzen zu sprechen und sich jemandem mitzuteilen, aber ihre Versuche zu wechselseitiger Konversation misslingen, ihre Bemühungen, Freundschaften zu schließen, wirken merkwürdig und sind in der Regel erfolglos.

 

Restriktive, repetitive Verhaltensweisen:

Unflexibilität des Verhaltens führt zu deutlichen Funktionsbeeinträchtigungen in einem oder mehreren Bereichen. Schwierigkeiten, zwischen Aktivitäten zu wechseln. Probleme in der Organisation und Planung beeinträchtigen die Selbstständigkeit.

Schweregrad 2
(Umfangreiche Unterstützung Erforderlich)

Soziale Kommunikation:

Ausgeprägte Einschränkungen in der verbalen und nonverbalen sozialen Kommunikationsfähigkeit. Die sozialen Beeinträchtigungen sind auch mit Unterstützung deutlich erkennbar, reduzierte Initiierung von sozialen Interaktionen oder abnormale Reaktionen auf soziale Angebote von anderen. Eine Person spricht z.B. in einfachen Sätzen, sie verfügt über eine eigenartige nonverbale Kommunikation und die Interaktion beschränkt sich auf begrenzte Spezialinteressen.

 

Restriktive, repetitive Verhaltensweisen:

Unflexibilität des Verhaltens, Schwierigkeiten im Umgang mit Veränderungen oder andere restriktive/repetitive Verhaltensweisen treten häufig genug auf, um auch für den ungeschulten Beobachter offensichtlich zu sein, und sie beeinträchtigen das Funktionsniveau in einer Vielzahl von Kontexten. Zeigt Unbehagen und/oder hat Schwierigkeiten, den Fokus oder die Handlung zu verändern.

Schweregrad 3
(Sehr Umfangreiche Unterstützung Erforderlich)

Soziale Kommunikation:

Starke Einschränkungen der verbalen und nonverbalen sozialen Kommunikationsfähigkeit verursachen schwerwiegende funktionelle Beeinträchtigungen, eine sehr begrenzte Initiierung sozialer Interaktionen und eine minimale Reaktion auf soziale Angebote von anderen. Eine Person mit Autismus-Spektrum-Störung verfügt z.B. über wenige Worte verständlicher Sprache, initiiert nur selten Interaktionen, und wenn sie dies tut, dann in ungewöhnlicher Form, mit der Absicht, die eigenen Bedürfnissen zu erfüllen. Diese Person reagiert nur auf sehr direkte Kontaktaufnahme.

 

Restriktive, repetitive Verhaltensweisen:

Unflexibilität des Verhaltens, extreme Schwierigkeiten im Umgang mit Veränderungen oder andere restriktive/repetitive Verhaltens- weisen mit ausgeprägten Funktionsbeeinträchtigungen in allen Bereichen. Zeigt großes Unbehagen bzw. hat große Schwierigkeiten, den Fokus oder die Handlung zu verändern.

Glossar kulturell gebundener Leidenskonzepte nach DSM-5

Im Anhang des DSM-5 (APA/Falkai et al., 2015) ist ein Glossar enthalten, welches Beispiele von gut erforschten kulturell gebundenen Leidenskonzepten anführt, die die Relevanz für die klinische Diagnostik und einige Beziehungen zwischen kulturellen Syndromen, Leidensbegriffen und zugrunde liegenden Erklärungen aufzeigen. Eine Auswahl wird im Folgenden dargestellt.

Copyright © 2017 American Psychiatric Association. All Rights Reserved.

Ataque de nervios („Nervenattacke“) beschreibt ein Syndrom lateinamerikanischer Herkunft, das durch Symptome intensiver emotionaler Erregtheit bzw. Übererregung, inklusive akuter Angst, Ärger oder Trauer, lautes Herumschreien oder -kreischen, Weinkrämpfe; heftiges Erbeben oder Zittern, Hitzegefühle im Brustbereich, die in den Kopf steigen, sowie durch verbale und physische Aggressivität gekennzeichnet ist. Dissoziatives Erleben (z.B. Depersonalisation, Derealisation, Amnesie), anfallsartige Ohnmacht und suizidale Attitüden können während einiger ataques im Vordergrund stehen, während anderer wiederum nicht. Das Kardinalsymptom einer ataque de nervios ist das Erleben eines Kontrollverlusts. Die Attacken treten als direkte Folge eines belastenden Ereignisses mit Familienbezug auf, wie z.B. der Nachricht des Todes eines nahen Angehörigen, Konflikten mit dem Partner oder Kindern oder Zeuge eines Unfalls zu sein, in den ein Familienmitglied involviert ist. Bei einer Minderheit der Betroffenen werden die ataques nicht durch soziale Ereignisse ausgelöst, stattdessen hat die Vulnerabilität für den Kontrollverlust ihren Ursprung in einem kumulierten Erleben von Leiden. Es wurde keine Eins-zu-Eins-Beziehung zwischen ataques und einer spezifischen psychiatrischen Störung belegt. Dennoch bestehen auf Symptomebene Überlappungen zu einigen Störungen inklusive der Panikstörung, einer anderen näher bezeichneten oder nicht näher bezeichneten Dissoziativen Störung und der Konversionsstörung. In Bevölkerungsstichproben stehen ataques, nachdem eine statistische Anpassung in Bezug auf psychiatrische Diagnosen, Traumaexposition und andere Kovariablen vorgenommen wurde, in Zusammenhang mit Suizidgedanken, Arbeitsunfähigkeit bzw. Alltagseinschränkungen und ambulanten psychiatrischen Behandlungen. Zu beachten ist, dass einige ataques nichtpathologische Ausdrücke eines akuten Stresserlebens (z.B. bei einer Beerdigung) ohne klinische Folgen sind. Der Begriff ataque de nervios kann sich auch auf ein Leidenskonstrukt beziehen, welches jegliche Form „passender“ emotionaler Paroxysmen (z.B. hysterisches Lachen) einschließt, und er darf auch verwendet werden, um eine Episode eines Kontrollverlusts in Bezug auf einen intensiven Stressauslöser zu beschreiben. Verwandte Zustände in anderen kulturellen Kontexten: Indisposition auf Haiti, blacking-out im Süden der USA, falling-out im westlichen Indien.

Verwandte Zustände im DSM-5:
Panikattacke, Panikstörung, andere näher bezeichnete oder nicht näher bezeichnete Dissoziative Störung, Konversionsstörung (Störung mit Funktionellen Neurologischen Symptomen), Intermittierende Explosible Störung, andere näher bezeichnete und nicht näher bezeichnete Angststörung, andere näher bezeichnete und nicht näher bezeichnete Trauma- und belastungsbezogene Störungen.


Dhat-Syndrom Der Begriff Dhat-Syndrom wurde in Südasien vor mehr als einem halben Jahrhundert geprägt, um typische klinische Erscheinungsbilder junger Männer zu beschreiben, die ihre Symptome auf die Absonderung bzw. den Verlust von Sperma attribuierten. Ungeachtet des Begriffs handelt es sich nicht um ein abgegrenztes Syndrom, sondern vielmehr um eine kulturelle Erklärung für Stressreaktionen von Patienten, die sich auf verschiedene Symptome wie Angst, Erschöpfung, Schwäche, Gewichtsverlust, Impotenz, andere somatische Beschwerden und depressive Verstimmung beziehen. Das Kardinalmerkmal ist Angst und Stresserleben durch einen Verlust von dhat ohne Vorliegen einer identifizierbaren physiologischen Dysfunktion. Patienten bezeichnen dhat als eine weiße Absonderung, die bei der Defäkation oder dem Urinieren bemerkt wurde. Vorstellungen über diese Absonderung stehen im Zusammenhang mit dem Konzept dhatu (Samen, Sperma), welches im hinduistischen medizinischen System, Ayurveda, als eine der sieben essenziellen Körperflüssigkeiten beschrieben wird und dessen Balance notwendig zur Erhaltung der Gesundheit ist. Obwohl das Dhat-Syndrom als kulturelle Orientierungshilfe für eine lokal begrenzte klinische Praxis formuliert wurde, konnte gezeigt werden, dass vergleichbare Vorstellungen über die schädigenden Folgen von Samenverlust in der Allgemeinbevölkerung weit verbreitet sind. Daher wird eine kulturelle Disposition angenommen, gesundheitliche Probleme und Symptome mit dem Verweis auf dhat zu erklären. Forschungen in der Gesundheitsfürsorge führten zu unterschiedlichen Schätzungen der Syndromprävalenz (z.B. wurden in Indien 64 % der Männer in psychiatrischen Kliniken wegen sexueller Beschwerden behandelt, in Pakistan waren es 30 % der Männer im Kontext allgemeinärztlicher Kliniken). Obwohl das Dhat-Syndrom am häufigsten bei jungen Männern mit vergleichsweise niedrigem sozioökonomischem Status beobachtet wird, können auch Männer im mittleren Erwachsenenalter betroffen sein. Vergleichbare Beschwerden über vaginalen Ausfluss (Leukorrhoe) werden mit einer Variante des Konzepts für Frauen in Zusammenhang gebracht Verwandte Zustände in anderen kulturellen Kontexten: koro in Südostasien, insbesondere Singapur, und shen-k’uei („Nierenschwäche“) in China.

Verwandte Zustände im DSM-5:
Major Depression, Persistierende Depressive Störung (Dysthymie), Generalisierte Angststörung, Somatische Belastungsstörung, Krankheitsangststörung, Erektionsstörung, Vorzeitige (Frühe) Ejakulation, andere näher bezeichnete oder nicht näher bezeichnete Sexuelle Funktionsstörung, Probleme in Schule oder Ausbildung.


Khyâl cap Der Begriff „Khyâl-Attacke“ (khyâl cap) oder „Windattacke“ beschreibt ein Syndrom, dass bei Kambodschanern in den USA und in Kambodscha beschrieben wurde. Typische Symptome sind die einer Panikattacke, wie z.B. Schwindel- oder Benommenheitsgefühle, Herzklopfen, Kurzatmigkeit und kalte Extremitäten oder auch andere Symptome von Angst bzw. autonomer Erregung (z.B. Tinnitus und Nackenschmerzen). Khyâl-Attacken umfassen katastrophisierende Kognitionen, in deren Mittelpunkt die Sorge steht, dass khyâl (eine windähnliche Substanz) im Körper – zusammen mit dem Blut – aufsteigen und eine Reihe schwerwiegender Folgen auslösen könnte (z.B. Zusammenpressen der Lungen, Kurzatmigkeit und Asphyxie, Eindringen in das Cranium und Verursachung von Tinnitus, Schwindel, verschwommenem Sehen und Ohnmachtsanfällen). Khyâl-Attacken können ohne Vorwarnung eintreten, werden aber häufig durch Trigger, wie sorgenvolle Gedanken, Aufstehen (z.B. Orthostase), bestimmte Gerüche mit negativen Assoziationen oder agoraphobische Schlüsselreize, wie beispielsweise in eine Menschenmenge zu gehen oder Auto zu fahren ausgelöst. Khyâl-Attacken erfüllen üblicherweise die Kriterien einer Panikattacke und können das Erleben anderer Angststörungen sowie trauma- und belastungsbezogener Störungen prägen. Khyâl-Attacken können mit erheblichen Beeinträchtigungen bzw. Aktivitätseinschränkungen einhergehen. Verwandte Zustände in anderen kulturellen Kontexten: Laos (pen lom), Tibet (srog rlung gi nad), Sri Lanka (vata) und Korea (hwa byung).

Verwandte Zustände im DSM-5:
Panikattacken, Panikstörung, Generalisierte Angststörung, Posttraumatische Belastungsstörung, Krankheitsangststörung.


Kufungisisa Kufungisisa (in Shona: „zu viel denken“) ist ein Leidenskonstrukt und eine kulturelle Erklärung unter den Shona in Zimbabwe. Im Sinne einer Erklärung wird es als ursächlich für Angst, Depression und somatische Beschwerden betrachtet (z.B. „Mein Herz schmerzt, weil ich zu viel denke“). Als eine Konstruktion zur Kennzeichnung psychosozialen Stresses ist es ein Anzeichen für zwischenmenschliche und soziale Schwierigkeiten (z.B. Eheprobleme; kein Geld zu haben, um für sein Kind zu sorgen). Kufungisisa umfasst Grübeln über beunruhigende Gedanken, insbesondere Sorgen. Kufungisisa ist mit einer Reihe von psychopathologischen Merkmalen wie Angstsymptomen, exzessiven Sorgen, Panikattacken, depressiven Symptomen und Reizbarkeit assoziiert. In einer zufällig gezogenen Bevölkerungsstichprobe berichteten zwei Drittel der mithilfe einer allgemeinen Psychopathologie-Erfassung identifizierten Kufungisisa-Fälle diese Beschwerden. In vielen Kulturen wird „zu viel denken“ als schädigend für den Geist und Körper und als Ursache für spezifische Symptome wie Kopfschmerz und Schwindel betrachtet. „Zu viel denken“ kann auch eine Schlüsselkomponente bei kulturellen Syndromen wie dem brain fag (dt. etwa: „geistige Erschöpfung“) in Nigeria sein. Beim brain fag wird „zu viel denken“ primär auf exzessives Lernen attribuiert, wobei angenommen wird, dass exzessives Lernen insbesondere das Gehirn schädigt und mit Symptomen wie Hitzegefühlen oder kribbelnden Empfindungen im Kopf einhergeht. Verwandte Zustände in anderen kulturellen Kontexten: „Zu viel denken“ ist in vielen Ländern und ethnischen Gruppen ein gebräuchliches Leidenskonstrukt und kulturelle Erklärung. Es wurde in Afrika, im karibischen und lateinamerikanischen Raum und bei ostasiatischen und indianischen Gruppen beschrieben.

Verwandte Zustände im DSM-5: Major Depression, Persistierende Depressive Störung (Dysthymie), Generalisierte Angststörung, Posttraumatische Belastungsstörung, Zwangsstörung, Störung durch eine Anhaltende Komplexe Trauerreaktion.

Taijin kyofusho Taijin kyofusho (japanisch für „Störung mit zwischenmenschlicher Angst“) ist als kulturelles Syndrom charakterisiert durch Ängstlichkeit in Bezug auf und Vermeidung von zwischenmenschlichen Situationen aufgrund des Gedankens, Gefühls oder der Überzeugung, dass das eigene Erscheinungsbild oder eigene Handlungen in zwischenmenschlichen Situationen unangemessen oder abstoßend für andere sind. In den USA wird die Variante olfaktorisches Referenzsyndrom unterschieden, bei der die Betroffenen befürchten, ihr Körpergeruch wirke abstoßend auf andere. Personen mit taijin kyofusho neigen dazu, sich auf die Wirkung ihrer Symptome und ihres Verhaltens auf andere zu konzentrieren. Andere Varianten beinhalten hauptsächlich die Sorge, zu erröten (Erythrophobie), abstoßenden Körpergeruch zu haben (olfaktorisches Referenzsyndrom), unangemessenes Blickverhalten zu zeigen (zu viel oder zu wenig Augenkontakt), steife oder ungelenke Gesichtsausdrücke oder Körperbewegungen zu haben (z.B. Versteifung, Zittern) oder körperlich entstellt zu sein Taijin kyofusho ist als Konstrukt breiter gefasst als die Soziale Angststörung im DSM-5. Zusätzlich zur Angst vor Leistungssituationen beinhaltet taijin kyofusho zwei kulturspezifische Formen: einen „sensiblen Typ“ mit extremer sozialer Empfindlichkeit und Ängstlichkeit in Bezug auf zwischenmenschliche Interaktion sowie einen „ausfälligen Typ“ mit der Hauptsorge, andere zu beleidigen. Als Kategorie beinhaltet taijin kyofusho deshalb auch Syndrome mit Merkmalen der Körperdysmorphen Störung und der Wahnhaften Störung. Die Sorgen können einen wahnhaften Charakter annehmen und sprechen dann kaum auf einfaches Rückversichern oder Gegenbeispiele an. Die charakteristischen Merkmale von taijin kyofusho treten in speziellen kulturellen Kontexten auf und soziale Ängstlichkeit hat dabei, je nach Kultur, einen größeren oder geringeren Stellenwert. Vergleichbare Syndrome finden sich in Korea und anderen Gesellschaften, die großen Wert auf die bewusste Wahrung angemessener sozialer Verhaltensweisen in hierarchisch geordneten zwischenmenschlichen Beziehungen legen. Taijin-kyofusho-artige Symptome wurden auch in anderen kulturellen Kontexten beschrieben, darunter die USA, Australien und Neuseeland. Verwandte Zustände in anderen kulturellen Kontexten: Taein kong po in Korea.

Verwandte Zustände im DSM-5: Soziale Angststörung, Körperdysmorphe Störung, Wahnhafte Störung, Zwangsstörung, olfaktorisches Referenzsyndrom (eine Form der nicht näher bezeichneten Zwangsstörung und Verwandten Störungen). Das olfaktorische Referenzsyndrom bezieht sich insbesondere auf die Jikoshu-kyofu-Variante des taijin kyofusho mit dem Kernmerkmal, Angst vor dem Absondern abstoßender Gerüche zu haben. Diese Form findet sich in zahlreichen Kulturen außerhalb Japans.

Zusatzkodierungen für depressive Störungen DSM-5

Bestimmen Sie ebenfalls ob:

Teil- / Vollremittiert

Teilremittiert:
Symptome der unmittelbar letzten depressiven Episode sind vorhanden, die Kriterien werden jedoch nicht vollständig erfüllt oder es gab nach Ende der Episode nur eine Periode von unter 2 Monaten Dauer ohne bedeutsame Symptome einer depressiven Episode.

Vollremittiert:
Während der vergangenen 2 Monate waren keine bedeutsamen Krankheitszeichen oder Symptome der Störung vorhanden.

Aktuellen Schweregrad der Episode einer Major Depression

Der Schweregrad basiert auf der Anzahl der Kriteriensymptome, der Schwere dieser Symptome und dem Grad der funktionellen Beeinträchtigung.

Leicht:
Es treten wenige oder keine Symptome zusätzlich zu den Symptomen auf, die zur Vergabe der Diagnose erforderlich sind; die Intensität der Symptome ist belastend, aber beherrschbar; und die Symptome führen zu geringfügigen Beeinträchtigungen in sozialen oder beruflichen Funktionsbereichen.

Mittel:
Die Anzahl und Intensität der Symptome und/oder funktionellen Beeinträchtigungen liegen zwischen denen, die als „leichtgradig“ und „schwergradig“ bezeichnet werden.

Schwer:
Die Anzahl der Symptome geht deutlich über die Symptome hinaus, die zur Vergabe der Diagnose erforderlich sind; die Intensität der Symptome ist äußerst belastend und nicht zu bewältigen; und die Symptome beeinträchtigen deutlich das soziale und berufliche Funktionsniveau.

Zusatzkodierungen
Mit gemischten Merkmalen

A) Mindestens drei der folgenden manischen/hypomanen Symptome sind während der Mehrzahl der Tage einer Episode einer Major Depression vorhanden:

  1. Gehobene, expansive Stimmung.
  2. Übersteigertes Selbstwertgefühl oder Größenideen.
  3. Vermehrte Gesprächigkeit oder Rededrang.
  4. Ideenflucht oder subjektives Gefühl des Gedankenrasens.
  5. Gesteigerte Energie oder zielgerichtete Aktivität (im sozialen, beruflichen, schulischen oder sexuellen Bereich).
  6. Vermehrte oder übermäßige Beschäftigung mit Aktivitäten, die mit hoher Wahrscheinlichkeit unangenehme Konsequenzen nach sich ziehen (z.B. ungezügeltes Einkaufen, sexuelle Abenteuer oder törichte geschäftliche Investitionen).
  7. Vermindertes Schlafbedürfnis (Gefühl des Erholtseins trotz einer reduzierten Schlafmenge; im Unterschied zur Insomnie).

 

B) Gemischte Symptome sind durch andere beobachtbar und stellen eine Veränderung des üblichen Verhaltens der Person dar.

C) Bei Personen, deren Symptome die Kriterien einer Manie oder Hypomanie vollständig erfüllen, sollte die Diagnose einer Bipolar-I- oder Bipolar-II-Störung gestellt werden.

D) Die gemischten Symptome sind nicht Folge der physiologischen Wirkungen einer Substanz (z.B. Substanz mit Missbrauchspotenzial, Medikament, andere Behandlung).

Beachte: Gemischte Merkmale in Verbindung mit einer Episode einer Major Depression sind ein signifikanter Risikofaktor für die Entwicklung einer Bipolar-I- oder Bipolar-II-Störung. Daher ist es klinisch sinnvoll, diese Zusatzcodierung zur Planung der Behandlung und Kontrolle des Therapieerfolgs festzuhalten .

Mit Angst

Angst wird definiert als die Anwesenheit von min- destens zwei der folgenden Symptome während der Mehrzahl der Tage einer Episode einer Major Depression oder Persistie- renden Depressiven Störung (Dysthymie):

  1. Gefühl der Überreiztheit oder Anspannung.
  2. Gefühl ungewöhnlicher Ruhelosigkeit.
  3.  Konzentrationsschwierigkeiten aufgrund von Sorgen.
  4. Befürchtung, dass etwas Furchtbares passieren könnte.
  5. Gefühl, dass die Person die Kontrolle über sich verlieren könnte.

Bestimmen Sie den aktuellen Schweregrad:

Leicht: Zwei Symptome

Mittel: Drei Symptome

Mittel bis Schwer: Vier oder fünf Symptome

Schwer: Vier oder fünf Symptome inklusive motorischer Erregung

Beachte:
Angstsymptome sind als ein prominentes Merkmal sowohl der bipolaren Störungen als auch der Major Depression im Hausarzt- und spezialisierten psychiatrischen Setting bekannt. Starkes Angsterleben wurde mit einem erhöhten Suizidrisiko, einer längeren Erkrankungsdauer und einer höheren Wahrscheinlichkeit für Nichtansprechen auf die Behandlung assoziiert. Daher ist es klinisch sinnvoll, das Vorhandensein und den Schweregrad ängstlichen Unbehagens für die Behandlungsplanung und das Monitoring des Therapieansprechens akkurat zu spezifizieren.

Mit melancholischen Merkmalen

A) Während des Höhepunkts der aktuellen Episode besteht eines der folgenden Symptome:

  1. Verlust der Freude an allen oder nahezu allen Aktivitäten.
  2. Verlust der affektiven Reagibilität auf normalerweise angenehme Stimuli (fühlt sich – auch nicht vorübergehend – besser, wenn sich etwas Erfreuliches ereignet).


B)
Drei (oder mehr) der folgenden Symptome:

  1. Eine besondere Qualität der depressiven Verstimmung, die durch eine tiefe Mutlosigkeit, Verzweiflung, und/oder Verdrießlichkeit oder das sogenannte Gefühl der Gefühllosigkeit gekennzeichnet ist.
  2. Die Depression ist regelhaft morgens stärker ausgeprägt (Morgentief).
  3. Morgendliches Früherwachen (mindestens 2 Stunden vor der gewohnten Aufwachzeit).
  4. Deutliche psychomotorische Unruhe oder Verlangsamung.
  5. Deutliche Appetitlosigkeit oder Gewichtsverlust.
  6. Übermäßige oder unangemessene Schuldgefühle.


Beachte:
Die Zusatzcodierung „mit melancholischen Merkmalen“ wird vergeben, wenn diese Merkmale auf dem Höhepunkt der Episode vorhanden sind. Die Fähigkeit zur Freude ist nicht nur reduziert, sondern nahezu vollständig aufgehoben. Eine Faustregel, um die Abwesenheit affektiver Reagibilität zu beurteilen, ist, dass selbst hocherwünschte positive Ereignisse nicht mit einer spürbaren Aufhellung der Stimmung einhergehen.

Entweder gibt es gar keine oder nur eine partielle Stimmungsaufhellung (z.B. bis zu 20 % bis 40 % der gewöhnlichen Aufhellung jeweils nur für wenige Minuten). Die besondere Qualität der Stimmungslage, die für das klinische Erscheinungsbild „mit melancholischen Merkmalen“ charakteristisch ist, wird als qualitativ verschieden von der Stimmungslage bei einer nicht melancholischen depressiven Episode erlebt.

Eine depressive Stimmungslage, die lediglich als schwerer, länger andauernd oder grundlos vorhanden beschrieben wird, wird nicht als qualitativ besonders gewertet. Psychomotorische Veränderungen sind nahezu immer vorhanden und von anderen beobachtbar.

Melancholische Merkmale zeigen nur eine mäßig ausgeprägte Tendenz, sich bei derselben Person über mehrere Episoden hinweg zu wiederholen. Sie kommen häufiger bei stationären als bei ambulanten Patienten vor, treten seltener bei leichteren als bei schwereren Episoden einer Major Depression auf und sind wahrscheinlicher bei Episoden mit psychotischen Merkmalen.

Mit atypischen Merkmalen

Diese Zusatzcodierung kann vergeben werden, wenn folgende Merkmale während der Mehrzahl der Tage der aktuellen oder letzten Episode einer Major Depression bzw. der persistierenden depressiven Störung vorherrschen:

A) Erhaltene affektive Reagibilität (d.h. Stimmungsaufhellung als Reaktion auf tatsächliche oder erwartete positive Ereignisse).

B) Zwei (oder mehr) der folgenden Merkmale:

  1. Deutliche Gewichtszunahme oder gesteigerter Appetit.
  2. Hypersomnie.
  3. Bleierne Schwere (d.h. Gefühl der bleiernen Schwere in Armen und Beinen).
  4. Ein seit Langem bestehendes Muster von gesteigerter Empfindlichkeit gegenüber zwischenmenschlicher Zurückweisung (nicht begrenzt auf Episoden der affektiven Störung), die zu einer bedeutsamen sozialen oder beruflichen Funktionsbeeinträchtigung führt.


C)
Die Kriterien der Zusatzcodierung „mit melancholischen Merkmalen“ oder „mit Katatonie“ sind während derselben Episode nicht erfüllt.

Beachte:
Dem Begriff „atypische Depression“ kommt eine historische Bedeutung zu (d.h. atypisch in Abgrenzung zu eher klassischen agitierten „endogenen“ Bildern einer Depression. Letztere entsprachen der Norm, als Depressionen selten bei ambulanten und so gut wie nie bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen diagnostiziert wurden). Heute ist die Bezeichnung „atypisch“ nicht mehr mit einem seltenen und ungewöhnlichen klinischen Zustandsbild konnotiert, wie der Begriff nahelegen könnte.

Affektive Reagibilität ist die Fähigkeit, aufgeheitert zu werden, wenn positive Ereignisse eintreten (z.B. der Besuch der Kinder, Komplimente von anderen). Die Stimmung kann sogar für einen verlängerten Zeitraum euthym (nicht niedergeschlagen) werden, wenn die äußeren Umstände günstig bleiben.

Gesteigerter Appetit kann sich durch eine tatsächliche vermehrte Nahrungsaufnahme oder Gewichtszunahme zeigen. Hypersomnie kann entweder einen verlängerten Zeitraum von Nachtschlaf oder Tagesnickerchen von mindestens 10 Stunden Gesamtschlafdauer (oder mindestens 2 Stunden mehr als im depressiven Zustand) beinhalten. Bleierne Schwere ist definiert als ein Gefühl der Schwere, Bleiernheit oder wie mit Gewichten beschwert zu sein, gewöhnlich in Armen und Beinen. Dieses Gefühl tritt in der Regel für die Dauer von mindestens 1 Stunde auf, dauert jedoch oft mehrere Stunden an.

Im Gegensatz zu den anderen atypischen Symptomen ist pathologische Empfindlichkeit gegenüber wahrgenommenen zwischenmenschlichen Zurückweisungen eine Eigenschaft mit frühem Beginn und besteht während der meisten Zeit des Erwachsenenalters weiter. Überempfindlichkeit gegenüber Zurückweisung tritt unabhängig von depressiver Stimmung auf, kann jedoch während depressiver Episoden exazerbieren.

Mit psychotischen Merkmalen

Wahn und/oder Halluzinationen liegen vor.

Mit Stimmungskongruenten psychotischen Merkmalen:
Der Inhalt aller Wahnvorstellungen und Halluzinationen steht im Einklang mit den typischen depressiven Themen der persönlichen Unzulänglichkeit, Schuld, Krankheit, Tod, Nihilismus oder verdiente Bestrafung.

Mit Stimmungsinkongruenten psychotischen Merkmalen:
Der Inhalt der Wahnvorstellungen und Halluzinationen beinhaltet nicht die typischen depressiven Themen der persönlichen Unzulänglichkeit, Schuld, Krankheit, Tod, Nihilismus oder verdiente Bestrafung oder der Inhalt ist eine Mischung aus stimmungsinkongruenten und stimmungskon- gruenten Themen.

Mit Katatonie

Diese Zusatzcodierung kann bei depressiven Episoden vergeben werden, wenn katatone Merkmale während der meisten Zeit der Episode vorhanden sind. Siehe die Kriterien für Katatonie bei psychischen Störungen im Kapitel „Schizophrenie-Spektrum und andere psychotische Störungen“.

Mit peripartalem Beginn

Diese Zusatzcodierung kann für die aktuelle oder, falls die Kriterien für eine Episode einer Major Depression nicht vollständig erfüllt sind, für die letzte depressive Episode vergeben werden, wenn die Stimmungsveränderung in der Schwangerschaft oder in den ersten 4 Wochen nach der Entbindung begann.

Beachte:
Affektive Episoden können während der Schwangerschaft oder postpartal beginnen. Zwischen 3 % bis 6 % der Frauen erleben den Beginn einer Episode einer Major Depression während der Schwangerschaft oder in den Wochen oder Monaten nach der Entbindung. Die Schätzungen unterscheiden sich infolge der unterschiedlich langen Nachbeobachtungszeit nach der Entbindung.

50 % der „postpartalen“ Episoden einer Major Depression beginnen eigentlich schon vor der Entbindung. Somit werden die Episoden insgesamt als peripartal bezeichnet. Frauen mit peripartalen Episoden einer Major Depression weisen oft schwere Ängste und sogar Panikattacken auf. Prospektive Studien haben gezeigt, dass affektive und Angstsymptome während der Schwangerschaft und der „Babyblues“ das Risiko für eine postpartale Episode einer Major Depression erhöhen.

Peripartal beginnende affektive Episoden können mit oder ohne psychotische Merkmale auftreten. In den meisten Fällen von Kindstötung bestehen postpartale psychotische Episoden mit imperativ-akustischen Halluzinationen, in denen die Kindstötung „befohlen“ wird, oder mit der Wahnvorstellung, dass das Kind besessen sei.

Aber auch bei schweren postpartalen affektiven Episoden ohne derartige Wahnvorstellungen oder Halluzinationen kann es zur Kindstötung kommen. Die Häufigkeit postpartaler affektiver Episoden (depressiv oder manisch) mit psychotischen Merkmalen wird mit 1 zu 500 bis 1 zu 1 .000 angegeben und ist möglicherweise höher bei Erstgebärenden.

Das Risiko für postpartale Episoden mit psychotischen Merkmalen ist bei Frauen mit früheren postpartalen affektiven Episoden deutlich erhöht, aber auch bei Frauen mit einer affektiven Störung in der Vorgeschichte (insbesondere bei Bipolar I Störung). Es gibt auch Anhaltspunkte für ein erhöhtes Risiko bei Frauen, die selbst keine affektive Störung in der Vorgeschichte haben, in deren Familie aber bipolare Störungen vorkommen.

Nach dem erstmaligen Auftreten einer postpartalen Episode mit psychotischen Merkmalen steigt das Rezidivrisiko bei nachfolgenden Entbindungen auf 30 % bis 50 %. Postpartale Episoden müssen abgegrenzt werden von deliranten Zuständen im Wochenbett, die durch reduzierte Vigilanz und Aufmerksamkeit gekennzeichnet sind.

Die Postpartalzeit ist einzigartig im Hinblick auf den Grad der neuroendokrinen Änderungen und psychosozialen Anpassungsvorgänge, die potenziellen Auswirkungen des Stillens auf die Behandlungsplanung und die Langzeitkonsequenzen der Vorgeschichte einer postpartalen affektiven Störung auf die künftige Familienplanung.

Mit saisonalem Muster

Diese Zusatzcodierung kann bei der rezidivierenden Major Depression angewendet werden, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:

A) Es besteht ein regelmäßiger zeitlicher Zusammenhang zwischen dem Auftreten der Episoden der Major Depression und einer bestimmten Jahreszeit (z.B. Herbst oder Winter).

Beachte:
Fälle mit offensichtlichem Einfluss von saisonal bedingten psychosozialen Belastungsfaktoren werden nicht gewertet (z.B. regelmäßige Arbeitslosigkeit im Winter).


B)
Vollständige Remissionen treten ebenfalls zu einer bestimmten Jahreszeit auf (z.B. die Depression remittiert im Frühling).

C) Während der letzten 2 Jahre kam es zu zwei Episoden einer Major Depression, die den oben definierten saisonalen Bezug gezeigt haben; in diesem Zeitraum traten keine nicht saisonal gebundenen Episoden einer Major Depression auf.

D) Saisonale Episoden (wie oben beschrieben) übertreffen deutlich die Anzahl nicht saisonaler Episoden einer Major Depression, die im Lebenszeitverlauf aufgetreten sind.

Beachte:
Die Zusatzcodierung „mit saisonalem Muster“ kann auf Episoden einer Major Depression bei Bipolar I Störung, Bipolar II Störung oder Rezidivierender Major Depression angewandt werden. Das zentrale Merkmal dieses Erscheinungsbildes ist, dass die Episoden einer Major Depression zu bestimmten Jahreszeiten auftreten und remittieren. In den meisten Fällen beginnen die Episoden im Herbst oder Winter und remittieren im Frühling. Seltener treten rezidivierende depressive Episoden im Sommer auf.

Dieses Muster von jahreszeitlichem Episodenbeginn und Episodenende muss sich in den letzten 2 Jahren gezeigt haben. In diesem Zeitraum dürfen keine Episoden ohne jahreszeitlichen Bezug aufgetreten sein. Darüber hinaus muss die Gesamtzahl saisonaler depressiver Episoden deutlich über die Gesamtzahl nichtsaisonaler depressiver Episoden im Langzeitverlauf hinausgehen.

Die Zusatzcodierung wird nicht angewendet, wenn sich das jahreszeitliche Muster besser durch saisonal bedingte psychosoziale Belastungsfaktoren erklären lässt (z.B. saisonbedingte Arbeitslosigkeit oder Schuljahresrhythmus). Episoden einer Major Depression mit saisonalem Muster sind oft gekennzeichnet durch Energieverlust, vermehrten Schlaf, vermehrtes Essen, Gewichtszunahme und Heißhunger auf Kohlenhydrate.

Ob ein saisonales Muster häufiger bei rezidivierender Major Depression oder bei bipolaren Störungen auftritt, ist nicht geklärt. Möglicherweise ist die saisonale Abhängigkeit bei der Bipolar II Störung häufiger als bei der Bipolar I Störung. In manchen Fällen kann auch das Auftreten manischer oder hypomaner Episoden mit einer bestimmten Jahreszeit verknüpft sein.

Die Prävalenz eines saisonalen Musters vom Wintertyp scheint vom Breitengrad, Alter und Geschlecht abzuhängen. Höhere Breitengrade gehen mit höherer Prävalenz einher. Das Alter ist ebenfalls ein starker Prädiktor für saisonale Abhängigkeit, wobei jüngere Menschen ein erhöhtes Risiko für Episoden von Winterdepressionen haben.

Diagnosen im Zusammenhang mit psychotropen Substanzen

X = Die Kategorie wird im DSM-5 verwendet.
I = Die Zusatzcodierung „mit Beginn während der Intoxikation“ kann für diese Kategorie angegeben werden.
E = Die Zusatzcodierung „mit Beginn während des Entzugs“ kann für diese Kategorie angegeben werden.
I/E = Die Zusatzcodierung „mit Beginn während der Intoxikation“ oder „mit Beginn während des Entzugs“ kann für diese Kategorie angegeben werden.
P = Die Störung persistiert.
*  Auch Halluzinogeninduzierte Persistierende Wahrnehmungsstörung (Flashbacks).
** Schließt Substanzen des Amphetamin-Typs, Kokain und andere unspezifische Stimulanzien ein.

Alkohol

Psychotische Störungen: I/E

Bipolare Störungen: I/E

Depressive Störungen: I/E

Angststörungen: I/E

Zwangsstörung und verwandte Störungen: -

Schlafstörungen: I/E

Sexuelle Funktionsstörungen: I/E

Delir: I/E

Neurokognitive Störungen: P

Störungen durch Substanzkonsum (Substanzkonsumstörungen): X

Substanzintoxikation: X

Substanzentzug: X

Koffein

Psychotische Störungen: -

Bipolare Störungen: -

Depressive Störungen: -

Angststörungen: I

Zwangsstörung und verwandte Störungen: -

Schlafstörungen: I/E

Sexuelle Funktionsstörungen: -

Delir: -

Neurokognitive Störungen: -

Störungen durch Substanzkonsum (Substanzkonsumstörungen): -

Substanzintoxikation: X

Substanzentzug: X

Cannabis

Psychotische Störungen: I

Bipolare Störungen: -

Depressive Störungen: -

Angststörungen: I

Zwangsstörung und verwandte Störungen: -

Schlafstörungen: I/E

Sexuelle Funktionsstörungen: -

Delir: I

Neurokognitive Störungen: -

Störungen durch Substanzkonsum (Substanzkonsumstörungen): X

Substanzintoxikation: X

Substanzentzug: X

Phencyclidine (Halluzinogene)

Psychotische Störungen: I

Bipolare Störungen: I

Depressive Störungen: I

Angststörungen: I

Zwangsstörung und verwandte Störungen: -

Schlafstörungen: -

Sexuelle Funktionsstörungen: -

Delir: I

Neurokognitive Störungen: -

Störungen durch Substanzkonsum (Substanzkonsumstörungen): X

Substanzintoxikation: X

Substanzentzug: -

Andere Halluzinogene

Psychotische Störungen: I*

Bipolare Störungen: I

Depressive Störungen: I

Angststörungen: I

Zwangsstörung und verwandte Störungen: -

Schlafstörungen: -

Sexuelle Funktionsstörungen: -

Delir: I

Neurokognitive Störungen: -

Störungen durch Substanzkonsum (Substanzkonsumstörungen): X

Substanzintoxikation: X

Substanzentzug: -

Inhalanzien

Psychotische Störungen: I

Bipolare Störungen: -

Depressive Störungen: I

Angststörungen: I

Zwangsstörung und verwandte Störungen: -

Schlafstörungen: -

Sexuelle Funktionsstörungen: -

Delir: I

Neurokognitive Störungen: P

Störungen durch Substanzkonsum (Substanzkonsumstörungen): X

Substanzintoxikation: X

Substanzentzug: -

Opioide

Psychotische Störungen: -

Bipolare Störungen: -

Depressive Störungen: I/E

Angststörungen: E

Zwangsstörung und verwandte Störungen: -

Schlafstörungen: I/E

Sexuelle Funktionsstörungen: I/E

Delir: I/E

Neurokognitive Störungen: -

Störungen durch Substanzkonsum (Substanzkonsumstörungen): X

Substanzintoxikation: X

Substanzentzug: X

Sedativa, Hypnotika, Anxiolytika

Psychotische Störungen: I/E

Bipolare Störungen: I/E

Depressive Störungen: I/E

Angststörungen: E

Zwangsstörung und verwandte Störungen: -

Schlafstörungen: I/E

Sexuelle Funktionsstörungen: I/E

Delir: I/E

Neurokognitive Störungen: P

Störungen durch Substanzkonsum (Substanzkonsumstörungen): X

Substanzintoxikation: X

Substanzentzug: X

Stimulanzien**

Psychotische Störungen: I

Bipolare Störungen: I/E

Depressive Störungen: I/E

Angststörungen: I/E

Zwangsstörung und verwandte Störungen: I/E

Schlafstörungen: I/E

Sexuelle Funktionsstörungen: I

Delir: I

Neurokognitive Störungen: -

Störungen durch Substanzkonsum (Substanzkonsumstörungen): X

Substanzintoxikation: X

Substanzentzug: X

Tabak

Psychotische Störungen: -

Bipolare Störungen: -

Depressive Störungen: -

Angststörungen: -

Zwangsstörung und verwandte Störungen: -

Schlafstörungen: E

Sexuelle Funktionsstörungen: -

Delir: -

Neurokognitive Störungen: -

Störungen durch Substanzkonsum (Substanzkonsumstörungen): X

Substanzintoxikation: -

Substanzentzug: X

Andere (oder unbekannte) Substanz

Psychotische Störungen: I/E

Bipolare Störungen: I/E

Depressive Störungen: I/E

Angststörungen: I/E

Zwangsstörung und verwandte Störungen: I/E

Schlafstörungen: I/E

Sexuelle Funktionsstörungen: I/E

Delir: I/E

Neurokognitive Störungen: P

Störungen durch Substanzkonsum (Substanzkonsumstörungen): X

Substanzintoxikation: X

Substanzentzug: X

Klassifizierung Katatonie nach DSM-5